Buchtipp: „Der 7. Sonntag im August“

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„Der 7. Sonntag im August“ von Sabine Ludwig; für Kinder ab 9 Jahren; ISBN 978-3-7915-1236-5; 219 Seiten, Foto: Melissa Moverley

„Der 7. Sonntag im August“ ist ein Roman, der von Sabine Ludwig verfasst und erstmals 2008 vom Cecilie Dressler Verlag veröffentlicht wurde.

In diesem Buch wünscht sich die Hauptfigur, die elfjährige Freddy Moll, angesichts des bevorstehenden ersten Schultages, dass es niemals Montag wird. Der Wunsch geht in Erfüllung und so wiederholt sich für sie, der letzte Sonntag vor dem Schulanfang immer wieder. Der Tag verläuft jedoch jedes Mal etwas anders. Allerdings bemerkt die Wiederholungen keiner außer Freddy. Der erfüllte Wunsch wird zunehmend zum Albtraum. Aktiv versucht sie schließlich die Zeitschleife zu durchbrechen und die Geschehnisse zu manipulieren. So will sie beispielsweise Unfälle verhindern. Dass das nicht so einfach ist, wird Freddy dabei schnell bewusst.
Außerdem begreift Freddy durch ihre Erlebnisse, dass mehr in den Menschen steckt, als es den Anschein hat. Ihre verhasste Nachbarin Frau Haferkamp beispielsweise, die Freddy zuvor für pedantisch und hartherzig hielt, entpuppt sich als einsame, traurige Witwe. Außerdem werden Freddys Augen hinsichtlich ihrer besten Freundin, Vero, geöffnet. In ihr erkennt sie schließlich eine falsche Freundin, die eigentlich nur an sich selbst interessiert ist.

Während ihren sonntäglichen Besuchen bei ihrer Oma im Altersheim, erfährt Freddy von deren Kindheit während des Krieges. Da diese zunehmend verwirrter wird, verwechselt sie Freddy mit ihrer verstorbenen Schwester Leni. Dadurch lernt Freddy sehr viel über die Schwester ihrer Oma und bemerkt wie sehr sie selbst ihr ähnelt.

Im Laufe des Romans erkennt Freddy durch all die Wiederholungen wie selbst kleine Handlungen den Verlauf der Ereignisse gravierend verändern können. Zusätzlich merkt sie, dass man vorsichtig dabei sein sollte, was man sich wünscht.

Das Buch ist ein Roman aus dem Leben: Es steckt voller Alltagssituationen, die dem Leser bekannt vorkommen oder die er sogar schon selbst erlebt hat. Freundschaftsprobleme, die typischen Familien- oder Geschwisterstreitereien, die Auseinandersetzung mit dem Älter-Werden oder einfach, dass das eigene Handeln Konsequenzen hat. All dies schafft Sabine Ludwig realistisch durch die Augen eines Kindes; Freddy, zu zeigen. Dadurch erhält der Leser Einblick in ihre Gedankenwelt, kann ihre Handlungen nachvollziehen und identifiziert sich mit Freddy. Man fühlt mit ihr, als sie befürchtet, ihren besten Freund zu verlieren. Auch ihre Frustration, dass immer sie mit dem Hund ihrer Schwester spazieren gehen muss, kann man nachvollziehen. Diese wird von ihrer Mutter immer verschont und mit den Worten „Lass sie doch“ (S. 91, Z.28) in Schutz genommen. Das Buch enthält aber auch eine „Slapstick“ Alltagskomik: Diese entsteht durch das Spiel mit Klischees und der überspitzten und dramatischen Darstellung der Handlung und der Figuren. Der Vater baut in seinem Koch-Wahn die ganze Wohnung zu einer Koch-Oase um. Seine übertriebene Koch-Leidenschaft ist im Laufe des Romans die Ursache vieler Streitigkeiten. Diese eskalieren immer auf skurrile, theatralische und eben unterhaltsame Weise. Die Schwester, die alle Klischees eines pubertierenden Mädchens erfüllt, wird in den Augen Freddys zu einem „Monster“ (S. 10, Z. 18f.). Diese aus dem Ruder laufenden Familien-Situationen lassen das Buch abwechslungsreich und fesselnd werden.
Auch die restliche Handlung ist spannend. Natürlich wiederholen sich einzelne Handlungsstränge immer wieder. Dies ist schließlich das Kernthema des Buches. Doch die wiederkehrenden Handlungen, laufen immer leicht anders ab. Man weiß als Leser somit niemals genau was passieren wird. Es ist interessant mitzuverfolgen wie bestimmte Verhaltensänderungen zu völlig anderen Handlungsentwicklungen führen.

Alles in allem schafft es Sabine Ludwig in diesem Buch eine Geschichte zu erzählen, die mit Alltagskomik eine Leichtigkeit und durch unvorhersehbare Wendungen auch unglaublich viel Spannung bekommt und dennoch tiefgründige Themen behandelt.


Sabine-Ludwig-Ecke:

Als Kind habe ich die Bücher von Sabine Ludwig wirklich sehr gemocht. Es gab kein Buch von ihr, das ich gelesen habe, was ich nicht gut fand.

Andere spannende Bücher von Sabine Ludwig sind unter anderem „Aufruhr im Schlaraffenland“ und „Die schrecklichsten Mütter der Welt“.

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„Aufruhr im Schlaraffenland“ und „Die schrecklichsten Mütter der Welt“ von Sabine Ludwig, Foto: Melissa Moverley

„Aufruhr im Schlaraffenland“

In dem Roman „Aufruhr im Schlaraffenland“, der 2010 erstmals im Cecilie Dressler Verlag erschien, endet die Familie Schultze in einem mysteriösen Urlaubsressort. Wie sich heraus stellt, handelt es sich hierbei um das Schlaraffenland. Essen, das niemals ausgeht, ein Jungbrunnen und Bäume an denen Geld wächst, das sind ideale Voraussetzungen für ein paradiesisches Urlaubslager. Das denkt sich zumindest der geldgierige Harry Hanfstengel. Die Bewohner des Schlaraffenlandes, die eigentlich den ganzen Tag nur herumfaulenzen und essen wollen, zwingt er daher zur Arbeit im Urlaubsressort.

Für Kinder ab 9 Jahren

ISBN 978-3-7915-1238-9

256 Seiten

„Die schrecklichsten Mütter der Welt“

Der Roman „Die schrecklichsten Mütter der Welt“, der 2009 erstmals im Cecilie Dressler Verlag erschien, handelt von einer Reihe von Müttern, die auf mysteriöse Weise verschwinden. Die Mütter der Hauptfiguren Benno, Sofia und Emily verschwinden eines Tages plötzlich. Stattdessen stehen die über-perfekten „Tante Annas“ vor der Tür, die angeblich von ihren jeweiligen Müttern beauftragt wurden, auf sie aufzupassen. Mit der Zeit werden die Kinder  jedoch skeptisch. Sie finden heraus, dass ihre Babysitter eigentlich Roboter sind. Die Hauptfiguren des Buches lernen sich gegenseitig online kennen und machen sich gemeinsam auf die Suche nach ihren echten Müttern. Diese werden an der Nordsee zu vorbildlichen Müttern zwangsumerzogen.

Für Kinder ab 9 Jahren

ISBN 978-3-7915-1237-2

284 Seiten

Nähere Informationen zur „Das Sams und die Helden und Kinderbücher“ Familien-Ausstellung erfahrt ihr hier.

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